Москва́ - trip to Су́здаль

Hallo, da mir im Moment die Zeit fehlt fass ich mich kurz. Letztes Wochenende habe ich gemeinsam mit ein paar Leuten aus der Sprachschule nach Susdal (Су́здаль) gemacht, eine Stadt mit ca 11.000 Einwohner 200-300km nord-oestlich von Moskau.
Freitag Abends ging es los, Ankunft gegen 20h in Susdal, Ferienhaus bezogen und Essen gegangen.
Samstag verschiedene Kirchen besichtigt und das Holzmuseum angeschaut, abends ins Restaurant (untermalt mit russischer Volksmusik- LIVE!!).
Sonntag zurueck zum Bahnhof in das ca 60km entfernte Vladimir (Влади́мир) gefahren, dort ebenfalls ein wenig die Stadt angeschaut und gegen Abend nach Hause.
Holzmuseum, verschiedene Holzhaeuser aus den vergangenen Jahrhunderten wurde in verschiedenen Teilen Russlands abgebaut und in diesem Museum wieder aufgebaut. So konnte man Kirchen, Wohnhaeuser usw besichtigen (zum Teil auch von Innen mit Ausstattung)

Holzhaus in Susdal

Und auch hier begegnet man ueberall den bloeden Schlossern - aber immerhin hat mir jetzt mal jemand den Brauch dazu erklaert.

Carlo & Alec vor einer einer der Kirchen die wir uns angeschaut haben (fragt mich nicht nach dem Namen).

eine dieser Kirchen von Innen (ebenfalls kA wie sie hiess)


Lutscher auf russisch. Stellt euch Zuckerwatte in komprimierter Form vor, dann habt ihr den Geschmack.

und noch eine Kirche.


Auf dem Weg zum Klostergelaende in Vladimir. Und nein, das ist keine Muellhalde sondern ein normaler Weg.

Pause vor einem Park in Vladimir dessen Namen ich ebenfalls vergessen habe.






video
Kirchenglocken in Susdal!!

Москва́ - What the hell?

Sonntag morgen, Wir waren die ganze Nacht unterwegs und sind grade in der Wohnung. Wir, das sind ein Deutscher und ein Amerikaner aus meiner Sprachschule, sowie dessen russischer Mitbewohner.
Gegen acht Uhr beschliessen wir etwas essen zu gehen. Gesagt getan. Unser russischer Mitstreiter bleibt in der Wohnung zurueck, waehrend wir uns auf den Weg zum Subway um die Ecke machen.
Dort angekommen, treffen wir natuerlich auf die Problematik des bestellens, kein Wunder, wo es mir anfangs sogar in meiner Muttersprache Probleme bereitet hat das ganze hinzubekommen.
Aber in diesem Fall nicht mein Problem, ich wollte nichts essen :)
Nach ein paar Minuten (wir hatten bereits Brot, Kaese, Wurst und Toasted geschafft) kam ein breit grinsender Russe herein und erzaehlte uns irgendwas,was wir - Ueberraschung - natuerlich nicht verstanden.
Nach laengerem hin- und her hatte er mir aber zumindest das gefuehl vermittelt er moechte uns helfen, da er anfing die Bestellung der jungs fuer sie zu erledigen. Dreissig sekunden spaeter merkte ich- doch nich, er stand neben uns und sagte nur noch: 'Bistro, bistro, bistro' - soviel versteh sogar ich dann noch: er wollte, dass wir uns beeilen.
Einziges Problem unsererseits war jedoch, dass wir den werten herren ja nicht aergern wollten, sondern einfach nur zu doof war.
Ihr fragt euch vielleicht warum ich das alles erzaehle? Diese Frage erklaert sich mit der naechsten Handlung seinerseits, die ich selbst nuechtern nicht nachvollziehen kann:
Er gab sowohl dem Deutschen als auch dem Amerikaner eine Ohrfeige.
Die Reaktion der Subwayangestellten war mindestens genauso unpassend: Mit einem verlegenem Kichern verkaufte sie dem Mann ein Bier. Der Mann drehte sich rum und ging.
Wir standen waehrenddessen schlicht und ergreifend mit offenem Mund vor der Theke.
Gluecklicherweise waren die anderen beiden so schlau sich nicht zu wehren - wer weiss was dann noch passiert waere.

Gestern Mittag passierte mir auch direkt das naechste Hightlight meines bisherigen Aufenthaltes:
14h - ich steige nach der Schule in die Metro und fahre Richtung Kinderclub, wie bereits erwaehnt ein relativ weiter Weg. Da ich im Zentrum eingestiegen bin, bestand die uebliche Situation: zu wenig Sitzplaetze. Ich konnte mir gerade noch so einen ergattern.
Mir gegenueber sassen zwei Frauen, die eine schaetzungsweise 40-50, die andere ein wenig juenger, vielleicht Anfang/Mitte dreissig. Rechts neben ihnen ein Kerl ungefaehr in meinem Alter. Links neben mir sass ein relativ breit gebauter Kerl, wohl auch so Anfang/Mitte dreissig. An sich keine ungewoehnliche Situation, lediglich die selbst fuer einen russischen Mann unverhaeltnismaessig grosse Handtasche meines Sitnachbarn fiel mir auf. Aber okay, wems gefaellt, mein Problem sollte das nicht sein.
Wie es eben so ist beim Metro fahren stadtauswaerts leerte sich nach und nach der Zug, mittlerweile war nur noch die juengere der beiden Frauen und die beiden Kerle da. Ich beschaeftigte mich wie uebliche mit Musik hoeren und 'Bubble Buster' spielen (nebenbei: Ich habs jetzt zum zweiten Mal durchgespielt). Von Zeit zu Zeit drehte ich mich um, um zu schauen an welcher Haltestelle wir waren.
So war es auch, als ES geschah:
Ich wollte mich gerade wieder meinem Handy zuwenden, als mein Blick den Kerl links von mir streifte.
'Moment mal, was hat der da in der Hand?' Besser waers gewesen ich haette nicht genauer hingesehen, denn er hat sich neben mir einen runtergeholt.
Ich denke, ich muss relativ entsetzt geschaut haben, er hats entweder nicht gemerkt, oder ihn hat es nicht interessiert. Dann kam mir auch in den Sinn, was die moegliche Funktion dieser ueberdimensonierten Handtasche ist: Aus Sicht der Leute mir gegenueber hatte man eine alltaegliche Metrosituation, da die Tasche alles kaschiert, waehrend ich arme Sau mir alles unzensiert anschauen durfte.
 Rueckblickend haette ich vllt anders reagieren sollten (Aufspringen und 'RAPE! RAPE' schreien, ist im Moment mein Favourit), doch das einzige was ich gemacht hab, war an der naechsten Haltestelle aussteigen und mich zu ekeln. Ausnahmsweise mal nicht im uebertragenden Sinn: ich hatte kotzen koennen.
Mir hat das ganze zwar schon ein wenig den Spass am Metro fahren genommen, jedoch hab ich auch drauss gelernt: Augen auf bei der Wahl des Sitznachbars!


P.S.: Ich entschuldige mich fuer alle Rechtschreibfehler und auch dafuer, dass vllt das ein oder andere Z fehlt. Damit muesst ihr jedoch leben!

Москва́ - Frohe Ostern!

Ostern findet im Gegensatz zu Deutschland bei mir erst am Sonntag statt, deshalb war heute Nachmittag bei uns in der Schule Ostereier bemalen & russisches Osterbrot essen angesagt :)



Das XB steht als Abkuerzung fuer 'Jesus lebt!', was man hier (zumindest hab ichs so gelesen) am Ostergottesdienst ruft und auch manchmal an Ostersonntag auf dem Friedhof, wo man seine verstorbenen Verwandten besucht.




Москва́ - Mich kann man schicken.

Oder: Warum zur Hoelle sieht hier alles gleich aus?

Wie wohl viele von euch wissen, bin ich in Russland um selbige Sprache zu lernen, das wiederum ist leider nur mit Praxis realisierbar, weshalb ich (wie bereits erwaehnt) eine Sprachschule besuche. Zudem ist mein Vater der Meinung, dass in einem russischen Umfeld arbeiten GENAU das richtige ist um in die Sprache reinzukommen. Ob er damit recht hat sei mal dahin gestellt, jedoch beginnt mit dieser Ausgangssituation das Drama um meine Arbeitsstelle.
Urspruenglich sollte ich irgendwo ein Praktikum machen, hat nich hingehauen, deshalb hiess es in nem Cafe arbeiten waer doch auch nicht schlecht, weshalb alle Raeder in Bewegung gesetzt wordn sind um mich irgendwie bei der russischen Kaffekette 'Kafemania' unterzubringen. Ich hab mir daraufhin in Deutschland extra Klamotten fuers arbeiten gekauft (die ich sonst 100pro nicht anziehe) um dann in Russland festzustellen: Mein ach so sicher geglaubter Job ist absolut nicht sicher. Nachdem die Managerin des Kafemania am weissrussischen Bahnhof (die nebenbei kaum aelter war als ich) feststellen durfte, dass mein russisch nichtmal ausreicht um eine Bestellung zu verstehen erhielt ich mehr oder minder hoeflich eine Absage. Konkret heisst das: Ich wurde persoenlich zum Probearbeiten eingeladen, um kaum 24 Stunden spaeter telefonisch eine Absage zu erhalten.
Soweit so gut.
Wieder alles in Bewegung gesetzt um mir noch irgendwie einen Job zu besorgen, so bin ich an ein Praktikum (oder wie man es nennen will) im Kinderclub gekommen, in Deutschland wuerde man das ganze als Hort bezeichnen.
Samstag bin ich mit Valentina (die das gane organisiert hat) mit dem Taxi hingefahren, um sowas aehnliches wie ein Einstellungsgespraech zu fuehren. Valentina hat geredet, verstanden hab ich natuerlich kein Wort,  da das ganze wie gewoehnlich in unglaublich schnellem russisch abgehalten wurde. Danach hatte ich aber immerhin einen Job.
Haken an der Sache: Das ganze befindet sich am suedlichen Rande des Moskauer U-Bahnnetzes- ganze 17 Stationen von meiner Wohnung entfernt. Plus nochmal zehn bis fuenfzehn Minuten Fussweg von der U-Bahnstation selbst.
In weiser Vorraussicht sind Valentina und ich meinen Weg zur Arbeit also zweimal zu Fuss abgegangen, damit an meinem ersten Arbeitstag, Montag, nichts schiefgeht. Nachdem ich (wie erwaehnt) nur mit mehreren Anlaeufen den einfachen Weg zur Sprachschule gefunden habe bin ich diesmal auf Nummer sicher gegangen und hab Fotos von dem Weg gemacht.

Montag: 14h, Sprachschule zu Ende, ich laufe zur U-Bahnstation und fahre (mit einmal umsteigen) die knappe Stunde Richtung Kinderclub. Dort angekommen, gehts schon los: 'Welcher dieser vier Ausgaenge nehm ich denn um zum Ausgangspunkt meiner Fotowegbeschreibung zu kommen?' - bleibt mir also nur ausprobieren uebrig. 30 Sekunden spaeter stelle ich fest: ES REGNET!
Mist! Nachdem ich aus mehreren Quellen gehoert hatte, dass es Montag 15°C werden sollten, trug ich lediglich eine leichte Fruehlingsjacke, aber immerhin ein Schal. Regenschirm lag natuerlich daheim.
Was blieb mir also andres uebrig, als mir das Tuch ueberzuwerfen und zu hoffen, moeglichst schnell den richtigen Weg zu finden.


Dreimal duerft ihr raten, was tatsaechlich passiert ist? Genau, natuerlich hab ich ihn nicht gefunden, nach 10 Minuten sinnlosem Suchen war ich klitschnass und ging zur immerhin halbwegs warmen U-Bahnstation zurueck, um mich dort erstmal bei meiner Mum auszuheulen. Troestende Worte? Fehlanzeige. Stattdessen meinte sie ich soll doch nochmal weitersuchen. Als ich mich gerade dazu durchgerungen hatte es nun mit Ausgang B zu probieren, viel mein Blick auf die Temperaturanzeige: 0°C - soviel dazu, der russische Wetterbericht taugt also scheinbar eher nicht. Aber mir blieb ja nichts andres uebrig. Also bei der Kaelte klatschnass wieder raus, noch nasser werden und weitere 20 Minuten durch die Gegend irren. Damit hats mir dann aber gereicht. Selbst wenn den Weg noch irgendwie gefunden haette, waere ich so nass sicher nichtmehr hingegangen. Also bin ich zurueck zur U-Bahn und auf direktem Wege (wenn man da so nennen kann bei der Fahrzeit) nach Hause.

Dienstag: Noch einmal das selbe Spiel, Schule aus (immerhin 30 Minuten frueher, weil unsere Lehrerin kraenkelnd ist) und los. Knapp 60 Minuten Ubahn und aussteigen.
Heute habe ich mich fuer Ausgang C entschieden. Und siehe da! Wieder falsch -.- In Sachen Wegen hab ich wirklich wirklich viel Glueck. Trotzdem bin ich 15 Minuten rumgelaufen in der Hoffnung irgendwas wieder zu erkennen. Wieder Mama eine SMS geschrieben, wieder nur eine doofe Antworten zurueck (ich wollte doch nur ein bisschen Mitleid). Parallel dazu noch Valentina geschrieben, in der Hoffnung , dass sie mir helfen kann. Konnte sie! Ihr Angebot war, dass die Leiterin mich an der Ubahn abholen koennte. Die Idee fand ich nich schlecht. Also zurueck zur Ubahn - auf dem Weg hab ich ein paar Fotos gemacht, damit auch ihr sehen koennt wie wunderschoen gleich russische Stadtrandblockbauten doch sind.
Bevor ich mir jedoch die Bloesse gegeben haette und mich abholen lassen, habe ich mir auch Ausgang D nochmal angesehen. Wieder bin ich ein paar Minuten orientierungslos durch die Gegend gelaufen, um dann festzustellen: 'Den haesslichen gruen/gelben Supermarkt kenn ich doch!' Das war der Ausgangspunkt meiner Fotowegbeschreibung!
Ergebnis: Nach einem komplett vergeudeten Nachmittag und nocheinmal 35 Minuten Suche habe ich den Weg gefunden - mich kann man schon schicken.


Nein ihr seht nicht doppelt. Die Haeuser sehen gleich aus



Москва́ - Hat da jemand seinen Teller nicht leer gegessen?!

Ich glaube ich habe einen Erklaerungsansatz gefunden, warum die meisten Russen so boese gucken - am End gehts ihnen einfach nur wie mir.
Vor knapp zwei Monaten war ich mit meiner Mum im Schuh und Sportpalast. Eigentlich wollt sich meine Mum nur neue Nordic Walking Schuhe kaufn, natuerlich ist das nich sooo interessant, deshalb hab ich auch selbst nach Schuhen geschaut. Lange suchen musste ich dabei nicht und fand wunderschoene schwarze Wildlederschuhe, einziges Problem, der Preis: 65€ - definitiv zu viel bei dem Schuhberg, der sich auch ohne eine weiteres Paar schwarze Wildlederschuhe in meinem Zimmer befindet.
Jedoch glaube ich, ich bin nicht die einzige der es so geht: Hat man die Schuhe gesehn, laesst einen der Gedanke nicht mehr in Ruhe, dass man sie auch kaufen will.
Zum Glueck habe ich noch rechtzeitig die passende Begruendung fuer meinen Kauf gefunden: Ein paar neue Schuhe fuer Moskau! Und siehe da, man hat es gut mit mir gemeint: Im Laden angekommen waren die Schuhe sogar runtergesetzt. Perfekt!
Nicht ganz so perfekt ist dann der weitere Verlauf: Ich fliege mit meinen neuen wunderschoenen Wildlederschuhen nach Moskau um nun jeden morgen aufs neue festzustellen:
Da hat jemand am Vortag seinen Teller nicht aufgegessen, oder nach russischem Aberglauben: Jemand hat am Vortag nach dem Wetter am naechsten Tag gefragt. Wie auch immer: Das Wetter ist beschissen!

Zehnmal habe ich jetzt schon morgends das Rollo meiner Wohnung hochgemacht, SIEBENMAL (!!) ist Schnee gefallen, zweimal wars grau in grau und ein laecherliches Mal schien die Sonne.
Ergebnis solcher Witterungsverhaeltnisse: Ihr muesstet mein Gesicht morgends sehen, wenn ich aus dem Haus gehe. Nach fast zwei Monaten warten/hin- und her ueberlegen kann ich meine neuen Schuhe immernoch nicht tragen, da hier in Moskau ein stetiger Wechsel zwischen Neuschnee und angetautem Schneematsch stattfindet. So ein Mist!
Soltle das ganze nicht nur mir so gehen, habe ich endlich eine gute Begruendung fuer die Gesichtsausdruecke der vielen Moskauer, die ich Tag fuer Tag sehe. Bei der offensichtlicher Passion der Moskauerinnen fuer Schuhe, insbesondere hohe Schuhe, halte ich das ganze fuer nicht allzuweit hergeholt.
Selbst in Russland ist es ungewoehnlich, dass man sich anfang April noch mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee herumschlaegt.
Wohlgemerkt ist das mit dem Schnee so eine Sache: Er faellt vom Himmel und wird von usbekischen Gastarbeiter von der Strasse auf irgendwelche Gruenflaechen am Strassenrand geschaufelt. Dort taut er im Laufe der Zeit ein wenig und gefriert, sodass mittlerweile riesig hohe eis/schnee/matsch-Flaechen entstanden sind und ein ganzer Berufszweig damit beschaeftigt ist am morgen den Schnee von der Strasse zu holen und am Nachmittag das Eis klein zu hacken, sodass es tauen kann.

Der Richtigkeit halber muss ich zum Thema Gesichtausdruecke noch hinzufuegen, was in meinem Reisefuehrer zum Thema boese gucken erklaert ist: es gehoert zum oeffentlichen Gesicht eines Russen - harte Schale, weicher Kern - so ist das angeblich.

Москва́ - Ja ne panimaju russkjesik...

...oder meine holprige Beziehung zur russischen Sprache.

Alles begann am Montag, den 20.Februar 2012 - na erinnert sich noch jemand was da war? Ich weiss es noch ziemlich sicher: ROSENMONTAG!
Anstatt, als rosa Plueschhase durch Mainz zu fallen war ich dazu verdammt um 6.30h aufzustehen und mich fertig zu machen um mich auf die ab sofort taegliche Reise nach Frankfurt zu begeben. Trotz Stau, Unfaellen und den ueblichen Berufsverkehrerscheinungen hab ich es an meinem ersten Tag, gegen meine Gewohnheiten, puenktlich um halb zehn zur Sprachschule geschafft.
Ab diesem Morgen hiess es immer wieder aufs neue mit 3 Studenten, 3 Stunden Russischunterricht (mit 3 Minuten Pause) freiwillig ueber uns ergehen zu lassen. Der Kurs wurde nicht umsonst um das Adjektiv 'intensiv' ergaenzt. Innerhalb dieser fuenf Wochen lernte ich wahrscheinlich mehr als in fuenf Jahren Englischunterricht, von Latein brauch ich gar nicht erst reden.

Freitag, 23.Maerz war mein letzter Kurstag, keine Woche spaeter sitz ich in Moskau und darf feststellen: 'Ja ne panimaju russkjesik', woertlich: Ich nicht verstehen russisch. Was wiederum den Nagel auf den Kopf trifft. Mittwoch Nachmittag, bei der Landung noch guter Dinge (ich konnte entziffern, was in kyrillisch auf den Flugzeuegen stand!) durfte ich schon bei der Passkontrolle die Grenzen meiner Russischkenntnisse kennen lernen.
Da fragt man sich zwangslaeufig: Fuer was hab ich sogar auf der Bowlingbahn brav meine Karteikaertchen rausgeholt oder im Kino auf heissen Kohlen gesessen, da mich der Gedanke nicht in Ruhe gelassen hat heute noch keine Vokabeln gelernt zu haben? Beantworten kann ich das auch nicht. Jegliche melodischen Erguesse aus dem Munde diverser Russen hatten in den letzten sieben Tagen wenig bis ueberhaupt nichts damit zu tun, was ich fuenf Wochen lang versucht hab, mir mit durchaus kreativen Eselsbruecken einzupraegen (Gori = Berg, wie Goran Bimbel, ein Berg von einem Man - mir hats geholfen).
Was bringt es mir, fragen zu koennen wo die naechste U-Bahn-Station ist, wenn ich als Antwort eine detaillierte Beschreibung des Lenin-mausoleums nichtmal von meiner Wegerklaerung unterscheiden kann?

Aber ich habe ja vorgesorgt gewissenhaft habe ich mich auch hier in Moskau zu einem Russischkurs angemeldet. Mein Plan war: Wie im Informationsschreiben beschrieben, Montag zur Sprachschule fahren um 9.30h einen Einstufungstest machen und dann ziemlich sicher im A2 Kurs fuer fortgeschrittene Anfaenger landen oder falls die mich einstufenden Leute ganz verwegen sind auch B1 (so war zumindest die Einschaetzung meiner Lehrerin in Deutschland).
Sonntags extra schonmal zur Sprachschule gefahren, mit dem Pfoertner geredet und den Tuercode ausprobiert, sodass ja nichts schief gehen kann. Abends vorm zu Bett gehen zum ungefaehr fuenften Mal die U-Bahnroute angeschaut und den Wecker absichtlich 30 Minuten zu frueh gestellt.

Die Realitaet sah wie immer vollkommen anders aus - Montag kams wie es kommen musste:
Viel zu frueh steige ich in die komplett ueberfuellte Metro ein, steige einmal um und komme an dem gewuenschten Ort 'Bella Ruskaja' raus, dummerweise erkenne ich keins der Gebaeude wieder und habe fuenf Richtungen zur Auswahl in denen meine Sprachschule eventuell liegen koennte. Immerhin kann ich mich freuen, dass sich das 30 Minuten zu frueh aufstehen gelohnt hat.
Alle guten Dinge sind drei, nachdem geradeaus gehen genauso falsch war wie nach links abbiegen entscheide ich mir fuer rechts und finde gerade noch puentklich die Sprachschule.
Nach dem Durchqueren des fischig riechenden Flurs, lande in einer Lobby voll mit Schuelern und einer netten (wie alle Russinen) auf hochhackigen Schuhen stehenden Dame:
Sie: 'Priviet'
Ich: 'Priviet. Do you speak English?'

Und ich glaube DAS war der Punkt an dem ichs mir verkackt hab. Daraufhin hat man mir meine Willkommensmappe in die Hand gedrueckt und mich in den Anfaengerkurs gesetzt. Auch meine Proteste in denen ich erklaerte schon einen Russischkurs gemacht zu haben halfen nichts. Nichtmal den Einstufungstest liessen sie mich machen. Die kommende Schulstunde durfte ich wieder bei Null anfangen: wie spricht man einen Buchstaben weich und wie spricht man einen Buchstaben hart aus? - da kommt Freude auf. Zudem hatten meine beiden asiatischen Mitschueler (von der Lehrerin nur liebevoll 'Team Asia' genannt), bedingt durch ihre Muttersprache, riesige Probleme, 'Sch' oder aehnliche Laute auszusprechen. In der Pause erklaerte ich nun meiner Lehrerin noch einmal, dass ich schon einen Russischkurs gemacht habe, und gerne die Klasse wechseln wuerde. Ich war sogar so ehrlich ihr zu erklaeren, dass meine Grammatik sehr gut ist, lediglich meien sprachliche Praxis ein wenig schwach. Gebracht hats wieder nicht. Mit dem Kommentar, dass wir ja immernoch schauen koennen, ob ich in einen anderen Kurs kann, wurde ich vertroestet.

Am Ende des Schultages, hatte ich es wirklich geschafft mir einzureden, in diesem Anfaengerkurs noch viel neues lernen zu koennen. Dieses Hochgefuehl hielt knapp 18 Stunden an - bis zur naechsten Schulstunde. Dienstag, erste Stunde: Verbenkonjugation. Ich fuehlte mich (kein andres Wort ist passender) verarscht.
Wieder dachte ich mir: Wieso hab ich mich wochenlang mit einem Russischkurs rumgequaelt um jetzt weder ein Wort russisch zu verstehn und zudem noch meine Zeit in einem Anafengerkurs verschwenden?
10.50h wurde ich erloest: 'Schaahna, please go to room four and try it there'.

GOTT SEI DANK!

Raffen tu ich im realen Russland immernoch nichts, jedoch bin ich jetzt genau in dem Kurs gelandet, in den ich reingehoere. Zudem schaue ich zu Hause  fleissig russisches Fernsehen (auch wenn Futurama, Simpsons etc grauenhaft synchronisiert sind) in der Hoffnung, dass es innerhalb der naechsten sieben Wochen irgendwann 'Klick' macht und ich tatsaechlich verstehe, wenn die Verkaeuferin mich fragt ob ich noch eine zusaetzliche Tuete brauche.

Москва́ - zweiter erster Tag

Mittlerweile bin ich fast fuenf Tage in Moskau und koennte ja eigentlich anfangen zu schreiben. Heute mach ichs dann auch wirklich, denn heut war mein zweiter erster Tag in Moskau. Heisst: Mein erster Tag ganz allein ohne Papa oder sonstige Leute die auf mich aufpassen, in der groessten Stadt Europas, mit (laut wikipedia) 11,5 millionen Einwohnern.

Logischerweise muessen solche Menschenmengen auch irgendwo untergebracht werden, freistehende Einfamilienhaeuser sind dafuer eher unguenstig. Einfachste Loesung? Man stapelt. Und genau solchen Wohnloesungen findet man in Moskau, soweit das Auge reicht, vermutlich auch in anderen XXL-Staedten Russlands oder der Welt, jedoch fehlen mir da die Vergleichwerte.
Schaut man allein an wo ich wohne: Haus Vier, Eingang Zwei - setzt vorraus dass es mindestens die Haeuser 1-4 gibt (tatsaechlich sinds mehr) und jeweils mindestens die Eingaenge 1 und 2 (sind ebenfalls mehr).
Geht man also zu Haus vier, Eingang zwei gibt es erstmal eine Sicherheitsvorrichtung, damit nicht jeder reinkann, bei mir ein Magnetchip, bei meiner Sprachschule sind es zwei verschiedene Codes die nacheinander eingegeben werden muessen. Hat man diese erste Huerde geschafft steht man im Flur, je nachdem trifft man dort auf den Portier - mir ist dank Soerens Geschichte, von den Portiers die einen nach 23h ohne Bestechung nichtmehr reinlassen schon mehrmals das Wort Waerter rausgerutscht - in meinem Fall eine kleine alte Dame die bisher nach 22h nichtmehr zu sehen war.
Hat man es durch den Eingangsbereich samt Portier geschafft kommt man zu zwei Aufzuegen. Schwer zu sagen, wann selbige das letzte mal eine Wartung erlebt haben. Mangels Treppe, bleibt einem aber nichts anderes uebrig (ich will nicht wissen was ich im Brandfall mache...), als diese zu nutzen. Nun hat man die Auswahl zwischen den Knoepfen 1-16 (ein Erdgeschoss gibt es im russischen nicht, man beginnt bei 1.). Stockwerk auswaehlen und losgehts mit einiger Geraeuschskulisse ins eigene Stockwerk.
Dort angekommen hat man die Auswahl zwischen 8 Haustueren. Um sein Ziel zu erreichen und endlich die Wohnung betreten zu koennen, muss man zu guter letzt noch zwei Schloesser und zwei Tueren oeffnen, wobei ich glaube, dass die zwei Schloesser zur Sicherheit, die zwei Tueren jedoch nur aus optischen Gruenden da sind.

Wer jetzt also aufgepasst hat, kann sich ueberlegen, mit wievielen Leuten ich mindestens unter einem Dach lebe:
(mindestens) 2 Einwohner auf 8 Wohnungen auf 16 Stockwerke hinter (mindestens) 2 Eingaengen und (mindestens) 4 Haeusern. Ergibt: Mindestens 2048 Menschen.
Die Folgen bei so vielen Menschen auf engstem Raum mit hellhoerigen Waenden darf ich momentan hautnah miterleben. Jemanden zu hoeren der ueber den Flur geht, zaehlt da noch zu den kleineren uebeln. Nachts aufzuwachen, weil man denkt jemand sitzt im eigenen Bad auf dem Klo bzw duscht sich, ist dann schon was anderes - tatsaechlich, ist das (vermutlich) mein Nachbar, linke Seite, den ich da hoere. Zudem ist er vermutlich Raucher, da mein Bad egal zu welcher Tages- oder Nachtszeit nach Rauch stinkt und ich (hoffentlich ;) nicht ohne mein Wissen im Bad rauche. Noch groessere Freude haben mir allerdings meine Nachbarn auf der rechten Seite gestern morgen bereitet, als sie mich laut stoehnend um halb elf geweckt haben.
Natuerlich hat so ein Haus nicht nur Nachteile. Ein ganz grosser Vorteil meiner Wohnung und allgemein viele solcher Haeuser: Man lebt zentral. Wenn ich aus Eingang zwei ins freie trete, hab ich nur einige hundert Meter bis zur naechsten Metro-Station, von dort aus zur Sprachschule sind es gerademal 5 Stationen. Noch kuerzer habe ich es zur Apotheke oder zu einem der zahlreichen Einkaufslaeden (genauer kann ich mich dazu momentan nicht aeussern, ich steig durch die Einkauferei in Moskau noch nicht so ganz durch).
Leider wird auch diese kurze Distanz zwischen Einkaufen und Wohnung nicht vor dem Muskelkater retten, der mich morgen erwartet, nachdem ich gefuehlte zwanzig kilogramm lebensmittel vorhin gekauft habe... aber das ist eine andere Geschichte...











So siehts dann tatsaechlich aus !